Fjort - Kontakt

In Your Face – Musik mit In Your Brain -Texten (8/12)

„Gib mir ein Gesicht!“ (In Balance) Fjort vereinen in gewohnter Manier hohe Gitarren mit post Effekten mit einer kratzigen Stimme und guten Worten. Die Band klingt ausgepowert, doch prägt dies gerade den Stil. Durch die oftmals stark vermischten Instrumente rücken der Text und einzelne Melodielinien klar in den Vordergrund. Anthrazit spiegelt es nahezu perfekt wieder. Auf einem Teppich von geschrammelter Schlagzeug-Bass Kombination darf sich die Gitarre immer mal wieder auf ihrer Spielwiese austoben.

Fjord schreckt auch nicht vor Dissonanzen zurück. Prestige ist ein Highlight! „Darf ich mal kurz, ist nur gut gemeint, es wäre echt besser…ja ich habe zugehört, ich werde mich bessern, ich fange morgen damit an. An dem Tag an dem sie zerbracht fragte keiner woran es lag!“ Scheitern, Kritik an Gesellschaft und Positionsbezug in dem Lied kommt nichts zu kurz. Die Stimme wirkt teilweise verh&aum;ltnismäßig clean, weswegen das Lied nahezu gefühlsstark wirkt.

„Du kannst gerade nicht der Starke sein, aber verdammt ich seh doch so viel mehr auf deinen Schultern. Kein Bedarf. Gern geschehen. Komm doch mal wieder!“ Kontakt das Titellied des Albums zeigt das Fjord klar das Texten eine Herzensangelegenheit ist. Allerdings wird die instrumentale Gestaltung langsam ausgeschöpft. Es ist handwerklich sehr gut gemacht. Die Beats sind klar und auf verschiedenen ansprechenden Rhythmen eingespielt. Allerdings wiederholen sich klassische Muster. Die Lieder beginnen alle recht breiig. Nach dem ersten Refrain werden die tiefen Effekte von der Gitarre genommen und die hohen Saiten stehen im Vordergrund. Es folgt eine Stelle in der das Schlagzeug in die Becken geht und den Rhythmus verlangsamt, bis es wieder in raue Passagen übergeht. Die Stimme passt perfekt zu der Musik und gibt ihm den besonderen Stempel.

„Bitte sei für mich, was ich bin für dich. Doch damit kann ich nur verlieren, wir sind nur gleich auf dem Papier… Mit diesem Satz gebe ich auf, doch ihn kapieren wirst du nicht. Gläser hoch, für immer das hier jetzt!… Lichterloh verbrennt ein Teil von mir, zaubert ein Licht auf dein Gesicht – ist das genug für dich?“ (Lichterloh)

Wer denkt, dass stimmlich schon alles gegeben ist, wird von Paroli noch einmal mehr positiv geschockt sein. Aber danach wird man von Abgesang wieder sanft im Post-Gewandt gebettet mit Abgesang wirkt man fast etwas Geerdet. Oft sind die Lieder von Position oder von einem Gefühl oder einer Stimmung getragen. Dieser Wechsel wird zwischen den eben genannten beiden sehr deutlich. Leider ist in der Mitte des Albums eine kleine Flaute. Die Power die musikalisch und textlich zu Anfang gegeben wurde kann nicht ganz aufrecht gehalten werden. Die Bilder, die durch Worte gebaut werden, brauchen länger und sind nicht so messerscharf formuliert. Zum Ende hin geraten sie in einen wunderbaren Erzählmodus, flechten doch immer wieder präzise Gedanken mit ein:

„Ich spare mir nichts mehr für später, denn es ist schon zu spät.“ (Mantra)

Alles in Allem ist es ein gelungenes Album, das man definitiv mehr als einmal hören möchte. Die Titel der Songs spiegeln klar das sprachliche Niveau wieder, dass die Jungs an den Tag legen. Und auf dem Niveau ist auch das Talent an den Instrumenten, es ist eine spannende Mischung auf die man sich definitiv einlassen soll.

Anspieltipp

Oft gefragt



Tracklist:

1) In Balance: 8/12

2) Anthrazit: 9/12

3) Prestige: 11/12

4) Kontakt: 7/12

5) Lichterloh: 10/12

6) Paroli: 5/12

7) Abgesang: 5/12

8) Revue: 5/12

9) Belvedere: 8/12

10) Mantra: 9/12

11) Lebewohl: 8/12