Bosse - Kraniche

„Du lügst mir das blaue vom Himmel“ (10/12)

Gedanken verloren genießt man das melodische Dudeln mit einem Grinsen auf den Lippen. Kraniche, das nunmehr 4. Album von Bosse reiht sich mit Charme in die Riege seiner Alben ein. Erwachsener, gesetzter und trotzdem frisch singt sich der 35 jährige Aki Bosse in das Lächeln und die Herzen der Hörer.

Kraniche packt den Teenager in seiner Sinnenkrise, jeden in der Midlifecrises und jeden dazwischen. „Ich such nicht mehr und finde nur, kommt sowieso an den Start was kommen mag.“ Wie der Zuspruch eines guten Freundes. Es folgt eine typische Jugenderzählung mit Schönste Zeit – Fotoalbumeffekt und leider etwas Früher war alles besser Mealcholie. Unterschätzt wird das Stück Vier Leben. Man überhört es schier bei den ersten 10 mal hören des Albums. „Und ich renn und ich renn und ich renn, als hätten wir 4 Leben…“ Wenn früher die rockigen Stücke nun kommen würden (Guten Morgen Spinner oder ähnliches), kommt nun auf den schnelleren Schlagzeugbeat etwas Pop. Der Text schenkt einem trotzdem ein Lächeln. „Was gut ist wird passiern, und wenn es gut ist bleibts bei dir, jede Liebe wird irgendwann ans Licht kommen. Es ist so einfach und nicht schwer, ist nur so, dass es sich nie so anfühlt.“ Istanbul – entweder man liebt es oder man hasst es. Geschmückt mit experimentellen Klingen fühl es sich nach Urlaub an. Wiedermal ein Liebeslied, aber es nervt nicht, weil jedesmal ein anderer spannender Moment geweckt wird. Familienfest – so ein ehrliches Lied gibt es selten. Man fühlt sich direkt in den Moment ein. Musikalisch wird man wieder in eine völlig andere Welt gesteckt und merkt den Schmerz und das Lachen beim besagten Familienfest. Am Ende des Albums, warten mit Sophie und Konfetti noch zwei wunderschöne Stücke: „Die Party ist so voll, also leg doch mal die Flasche weg und umklammer lieber mich, wenn du schon da bist warum nicht? Küss mich hart ins Gesicht. Denn so lang ich weiß, kommt dann Licht in die Nacht, denn so lang ich denken kann kommt dann Licht irgendwann.“ Bosse schafft es mit seinen Texten Gefühlswelten so reell darzustellen, und Liebe, Sehnsucht und diese dudelei zwar von dieser untermalt doch zugleich so kantig zu verpacken. Man fühlt sich nicht angeschmalzt oder dreht die Augen, weil es kitscchig nervt, sondern genießt die spannenden Bilder und lässt die Wärme ein erfüllen.

Anspieltipp

Brilliant



Tracklist:

1) Kraniche: 11/12

2) Schönste Zeit: 9/12

3) Vier Leben: 10/12

4) So oder so: 9/12

5) Istanbul: 11/12

6) Alter Affe Angst: 9/12

7) Vive la Danse: 6/12

8) Familienfest: 11/12

9) Brilliant: 8/12

10) Müßiggang: 10/12

11) Sophie: 11/12

12) Konfetti: 12/12