Biffy Clyro - MTV Unplugged

Und so wird ein MTV UNPLUGGED mal wieder zu einem Qualitätsmerkmal(10/12)

Fast schon zu entspannt eröffnen Biffy Clyro ihr MTV Unplugged mit The Captain Die ersten Takte klingen noch etwas statisch, man spürt die Anspannung, dass gleich etwas neues beginnt. Das Stück behält seinen kreisenden Bass und er wird wunderbar in ein akustisches, seichteres Gewandt gehüllt. Spätestens nach dem zweiten Refrain sind sie dann auch eingespielt und die professionelle Liveband, die man von einigen Mitschnitten kennt.

Die meiste Zeit kommen sie mit den Akustikinstrumenten klar, füllen ihre Lieder, bei einigen kommt ein Klavier hinzu um die oft vom rhythmischen Abschlaggeprägte Gitarrenlienie dann doch etwas weicher zu betten. In Biblical wird sich brav abgewechselt. Es macht den Eindruck als würde nicht mehr viel hinzukommen und man könnte den gewohnten Biffy Songs lauschen. Wer bei Re-Arrange keine Gänsehaut bekommt sollte dringend über das eigene Verhältnis zu Emotionen nachdenken. "I've got a lot of rage. And I'm struggling with ways to control it. When I wake in the morning, I've forgotten what it is to cope. I scratch at my eyes, and it renders me vision less. Even in the dark, what I want isn't what I need" Im Schatten dieses Meisterwerkes, das zugegeben, wenig zutun brauchte, sondern einfach leiser scheint, aber dadruch ins rechte Licht gerückt wird, steht Drop It trotz Mundharmonika leider sehr langweilig. Auch Teil zwei dessen, was einfach zu einem MTV Unplugged gehört, das Cover ist vertreten. Es musste der Beach Boys Klassiker God only knows herhalten und wird somit ein Lückenfüller vor einer extrem starken zweiten Hälfte der Platte.

Ein wenig wirkt es, als hätten Biffy Clyro alle Lieder genommen, die sich gut machen um ihnen einfach etwas Power zu nehmen und dadurch Ruhe und Größe zu geben. Es ist eine Balladensammlung. An einige harte Stücke haben sie sich scheinbar nicht getraut, oder eben den Bruch vermieden. Black Candelier gehört auf jeden Fall in diese Reihe. Hat zum Ende hin zwei wundervolle Parts: Etwas Spannung und Drama kommt durch den Solomoment der Gitarre gefolgt von einem Publikumschor. "Take a long hard look at yourself. How did you end up here. The blood drips like red inverted balloons. Tomorrow is a promise to no-one." In das Muster reiht sich natürlich auch Folding Stars jedoch mit instrumenteller Reduktion. Es folgt das Lied, weswegen man das Album kaufen soll (vgl. MTV Unplugged der Ärzte): Different Kind of Love.

Ein bisschen Sentimental wird man auch, wenn man das fehlen einiger Glanzstücke betrachtet. Beispielsweise gibt es von The Ideal Height so manche Akustikversion. Aber das Stück hat es scheinbar nicht ins Set geschafft.

"You are the loneliest person that I've ever known. We are joined at the surface but nowhere elseI look in the glass and stare at your, strained, grey, motionless face and ask. Underneath, is there a golden soul? Take care of the ones that you love" Opposite darf nahezu alles behalten, was es in der original auch hat. Die Dynamik zum Ende hin wird schön dem Zusammenspiel des Chellos ausgestaltet. Vom Klang der Gitarre her bekommt Small Wishes eine andere Note und es bricht etwas. Klingt ein wenig nach Cowboys. Ja wirklich.

Und wenn man denkt es ist schon sehr balladig ausgeschmückt und man die ruhigen Biffys nicht so mag, sollte man jetzt ausmachen, denn jetzt kommt ein sehr, sehr starkes Ende. Beginnend mit Bubbles und endlich gibt es in dem Song mal einen längeren Teil ohne Gesang, sodass man sich einfach in den Sog der Musik ziehen lassen kann. Medicine. Ebnet den Boden für die Single-Auskopplung die schon verlauten hat lassen, was für Schmuckstücke dieses Album enthalten wird. Many of Horror wird einfach in Perfektion in dieser Version festgehalten. Machines ist das perfekte letzte Lied: träumerisch: "'Cause I've started falling apart I'm not savoring life. I've forgotten how good it could be to feel alive"

Für den nicht ursprünglichen Biffy Clyro Fan, der vor allem dahin schmilzt, wenn Stimme und Worte Raum bekommen ist das Album nahezu das schönte, was Biffy Fucking Clyro hätten rausbringen können. Vor allem die letzten Songs fordern Armhaarfolikel heraus. Und wenn man ehrlich ist freut man sich so manchen Klassiker in dem Gewand zu hören. Man stellt fest, wie viele ruhigere Lieder, Balladen die Schotten doch haben.

Anspieltipp

Machines, Black Chandelier, Re-Arrange



Tracklist:

1) The Captain: 9/12

2) Biblical: 10/12

3) Re-Arrange: 12/12

4) Drop It: 4/12

5) Black Chandelier: 9/12

6) Folding Stars: 8/12

7) Different Kind of Love: 7/12

8) Mountains: 7/12

9) God only knows: 6/12

10) Opposite: 10/12

11) Small Wishes: 8/12

12) Bubbles: 12/12

13) Medicine: 12/12

14) Many of Horror: 12/12

15) Machines: 12/12